Quelle: Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt 19.02.2026
Michael Brakemeier
Ein neues Modell in der Göttinger Weststadt soll bezahlbaren Wohnraum und Trainerausbildung vereinen. Der FC Grone plant ein Wohnheim mit günstigen Apartments für Studierende und Auszubildende, die sich zur Vereinsarbeit verpflichten. Doch die Umsetzung hängt von politischen Entscheidungen ab.
Grone. Bezahlbarer Wohnraum für Studierende und Auszubildende ist knapp, Übungsleiter in Sportvereinen sind es auch. Der FC Grone will beide Probleme mit einem Bauprojekt gleichzeitig lösen: Auf dem Vereinsgelände am Siekweg plant der Fußballverein ein Wohnheim für junge Menschen.
Ergänzt werden soll der Komplex durch ein neues Sport- und Vereinsgebäude – und möglicherweise einen zusätzlichen multifunktionalen Kunstrasenplatz, auf dem nicht nur Fußball, sondern auch Hockey gespielt werden kann.
Kern des Vorhabens ist ein Wohn- und Ausbildungszentrum mit 64 Apartments am Standort des jetzigen FC-Vereinsheims. Einziehen sollen Studierende oder Auszubildende, die sich mit Einzug verpflichten, eine Trainerausbildung zu absolvieren und sich für Vereinsarbeit zu engagieren.
„Ohne diese Verpflichtung mit einer Übungsleitertätigkeit gibt es keinen Mietvertrag“, sagt Lutz Renneberg, Vorsitzender des FC Grone. Die Bewohner sollen mindestens die sogenannte C-Lizenz erwerben und anschließend in Sportangeboten mitarbeiten – beim FC Grone, beim HC Göttingen und anderen Vereinen in der Stadt.
8,5 Millionen Euro für Wohnhaus, Vereinsheim und Kunstrasenplatz
Nach Angaben Rennebergs sollen sich die Investitionen für das Wohngebäude auf rund fünf Millionen Euro netto belaufen. Hinzu kämen nach derzeitiger Kalkulation etwa zwei Millionen Euro für ein neues Sport- und Vereinsgebäude sowie – abhängig von Standort und Bauweise – bis zu eine Million Euro für einen zusätzlichen Kunstrasenplatz. Insgesamt bewegt sich das Projekt damit in einer Größenordnung von bis zu 8,5 Millionen Euro.
Geplant sind rund 20 Quadratmeter große Apartments mit Dusche, WC und Pantryküche. Die Kaltmiete soll bei rund 277 Euro liegen, die Warmmiete bei maximal etwa 380 Euro.
Finanziert werden soll das Wohnheim über ein Förderdarlehen der landeseigenen N-Bank. Das neu aufgelegte Programm „Junges Wohnen (Wohnheimplätze für Studierende und Auszubildende)“ sieht ein zinsfreies Darlehen über 30 Jahre mit Mindesttilgung und gedeckelten Mieten vor.
Der Verein rechnet mit jährlichen Mieteinnahmen von bis zu rund 200.000 Euro. Daraus sollen Tilgung, Verzinsung für Investorenanteile sowie Rücklagen finanziert werden.
Der FC Grone plant, rund eine Million Euro Eigenkapital für das Vorhaben über Beteiligungen einzuwerben. Das vereinseigene Grundstück im Wert von etwa 360.000 Euro soll zusätzlich eingebracht werden. Ein Teil der Erträge aus dem Wohnheim soll zudem in den Bau des neuen Sporthauses fließen.
Das neue Sport- und Vereinsgebäude mit rund 550 Quadratmetern Nutzfläche ist als multifunktionaler Bau mit sechs Umkleiden, Sanitärbereichen, Lagerflächen und einem etwa 90 Quadratmeter großen Mehrzweckraum geplant. Dieser soll neben dem Trainingsbetrieb auch für Gesundheitssport, Kinderangebote oder Versammlungen genutzt werden können. Perspektivisch ist eine gemeinsame Nutzung mit dem HC Göttingen und den anderen Vereinen im JFV West (SV Gelb-Weiß Elliehausen, SV Esebeck, TSV Holtensen, SG Grün-Weiß Hagenberg) geplant. Ziel ist eine Bündelung von Angeboten in der wachsenden Weststadt.
Hintergrund des Projekts ist für Renneberg ein zunehmender Mangel an ehrenamtlichen Trainern. „Die Grundherausforderung, die alle Sportvereine haben, ist die Gewinnung von Übungsleitern“, sagt Renneberg. Geld allein reiche nicht aus, um junge Menschen dauerhaft zu binden. Entscheidend seien attraktive Rahmenbedingungen wie günstiger Wohnraum und Ausbildungsmöglichkeiten.
Fertigstellung bis 2029
Zeitlich sieht die Planung vor, zunächst das neue Sporthaus zu bauen. Beginn dafür könnte Anfang 2027 sein, die Bauzeit veranschlagt Renneberg mit sechs bis acht Monaten. Erst nach dem Umzug in das neue Gebäude sollen das bestehende Vereinsheim abgerissen und das Wohnzentrum gebaut werden. Für dieses wären eine Fertigstellung und der Einzug der ersten Mieter bis etwa 2029 möglich.
Für Teile des Vorhabens sind noch politische Beschlüsse und baurechtliche Prüfungen erforderlich. Insbesondere für einen zusätzlichen Kunstrasenplatz muss die Stadt klären, ob und wo dieser genehmigungsfähig ist. Nach Rennebergs Einschätzung gibt es jedoch parteiübergreifend Interesse im Rat. Entscheidend wird sein, ob und in welcher Höhe die Stadt sich an der Finanzierung des Sporthauses beteiligt.
